Das Bessere als Feind des Guten?

„Das Bessere ist der Feind des Guten“ – wer kennt das nicht – ist übrigens ursprünglich von Voltaire.

Und irgendwie ist diese Perspektive in uns allen drin und damit nicht wirklich hilfreich, wenn es um Veränderungsprozesse geht. Was dann, verständlicherweise, kurzerhand mit diversesten „Abstoßungsreaktionen“ quittiert wird.

Da habe ich doch vor kurzem in einem Vortrag von Gunther Schmidt eine viel hilfreichere Perspektive kennengelernt:

„Das Neue ist immer nur der dankbare kleine Bruder des bisherigen guten Alten“

Diese Perspektive klingt doch gleich viel hilfreicher, schwingt da ja nun ganz viel Wertschätzung und auch etwas Gleichzeitigkeit von Beidem (Alt und Neu) mit.

Ich möchte die Notwendigkeit der Gleichzeitigkeit noch paradox etwas unterstreichen:

Ich denke, dass die Gestaltung von Neuem in Veränderungsprozessen überhaupt erst in der Gleichzeitigkeit mit der Bewahrung des Bewährten möglich wird.

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Die Eigendynamik von M&A-Prozessen

Und wieder muss ich aus einem – übrigens sehr empfehlenswerten – Blog zitieren (Komplexitätsmanagement und Umgang mit Unerwartetem von Peter Addor, einem Mathematiker und Systemiker). Er gefällt mir deswegen so gut, weil er mir damit vom Thema „Umgang mit Unsicherheit“ zur Mergerthematik eine sehr schöne Brücke baut:

„…trifft man während der Projektabwicklung auf Widerwärtigkeiten, wird man die Hypothese nicht gleich verwerfen, weil ja sonst alles, was bisher geleistet wurde obsolet würde und ein neuer Plan erstellt werden müsste, der Kosten und Termine in Frage stellt. Hypothesen werden wegen ihrer unsicherheitsreduzierenden Funktion ungern aufgegeben. Also wird man versuchen, die Hypothese zu retten, indem man Ausnahmen beschreibt, unter der die Hypothese in modifizierter oder ergänzter Form immer noch zutrifft. Man erfindet z.B. eine zweite Hypothese, die die erste unterstützt. Dieser Prozess kann ad infinitum verlängert werden (sog. „verlängerte Hypothesenbildungen“)…“

Gerade in M&A Projekten trifft man laufend auf sogenannte Widerwärtigkeiten, also Geschehnisse oder Beobachtungen, welche so nicht eingeplant waren und welche drohen das Projekt zum scheitern zu bringen. Idealerweise sollte man diese als Warnsignale sehr ernst nehmen und auf Basis der ursprünglichen Annahmen eine neue Risikoabschätzung machen. Vielfach würde man dann auch zum Schluss kommen, das eine oder andere M&A-Projekt an diesem Punkt wirklich zu stoppen, meistens kann man aber in der Praxis das oben beschrieben Phänomen sehr schön beobachten. Und wer kennt nicht das Argument: „…jetzt haben wir schon so viel Arbeit und Geld hineingesteckt, jetzt fangen wir sicherlich nicht wieder ganz von vorne an…“?

Meiner Einschätzung nach, hätte mindestens die Hälfte der 60-80% „nicht erfolgreichen“ M&A Transaktionen, rechtzeitig gestoppt werden und damit gar nicht stattfinden sollen.