Wir sind an den Menschen interessiert und nicht an den Assets…

Wir beraten gerade den möglichen Kauf einer grösseren Industriegruppe durch einen Private Equity-Fonds. Nach einem sehr positiven Erstgespräch mit dem Eigentümer der Gruppe schlug dieser vor, als nächsten Schritt die einzelnen Fabriken zu besichtigen. Ganz erstaunt war man, als der Fonds zuerst darauf bestand, das Management-Team kennenzulernen und in der Diskussion auch klar machte, dass man nicht primär an den Assets sondern viel mehr an den Menschen interessiert sei.

„Management may be best – or worst – feature in acquisition“; schrieb vor kurzem ein renommiertes Industriejournal. Es schreibt, dass das bestehenden Management eines zu kaufenden Unternehmens immer mehr zum Schlüsselfaktor wird, ob eine Transaktion durchgeht oder nicht. Und die Käufer suchen typischerweise nach zwei wesentlichen Eigenschaften: die Bereitschaft Risiko zu tragen und die Fähigkeit, Prioritäten bei der laufenden Verbesserung des Geschäfts zu setzen.

Tja – Geld ist im Moment genügend vorhanden am Markt – und typischerweise Ideen auch – woran es meist fehlt, sind gute Manager, die mit dem Geld auch die Ideen umsetzen können.

W. Regele

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Etwas verkaufen: igittigitt!

Wenn man mit den Unternehmern und Vorständen über Unternehmenszukäufe spricht, bekommen sie typischerweise glasige Augen: über Akquisitionen wachsen, das ist interessant und da kennen sich auch die meisten gut aus. 

Wenn man es aber wagt anzustossen, dass es vielleicht Sinn machen könnte, den einen oder anderen Unternehmensteilen abzustoßen, dann bekommt man sofort 1000 Ausreden, warum dies nicht ginge. Divestments haben hierzulande einen fahlen Beigeschmack, werden eher wie „Kindesweglegung“ behandelt und könnten ja gegebenenfalls auch als Misserfolg gewertet und gegen einen selbst verwendet werden. 

Zunehmend sind es so genannte „aktivistische Investoren“, die den Unternehmensleitern auf die Finger schauen und bei Bedarf auch vehement einfordern, wenn es gilt, Unternehmensteile mit geringeren Synergien zum Kerngeschäft abzustossen. Diesen Trend kann man derzeit sehr schön in der Chemieindustrie in Nordamerika am Beispiel Dow Chemical oder DuPont verfolgen, wo auf Druck von Investoren eine Portfoliorestrukturierung angestoßen wurde. 

W. Regele

M&A auf Rezept in China

Die Stahlindustrie China geht durch eine langjährige Krise, woraus sie sich immer noch nicht erholt hat. Dies hat unter anderem strukturelle Probleme, da es zum Beispiel in der Vergangenheit kaum Konzentration in dieser Industrie gab und damit die einzelnen Unternehmen nicht die kritische Größe haben um international wettbewerbsfähig zu sein.

Aber was mich erstaunt hat, war nicht die Krise der Stahlindustrie, sondern einer der Maßnahmen, mit der der Staat China darauf geantwortet hat. Viele andere würden sofort über Subventionen oder Importbeschränkungen sprechen –  aber nein – China hat unter anderem Anreize geschafft die M&A-Aktivitäten in dieser Industrie wieder anzukurbeln. Tatsache ist, dass diese Maßnahme gefruchtet hat, und die Konsolidierung in diesem Bereich gestiegen ist; eine positive Auswirkung auf die wirtschaftliche Situation der Stahlindustrie bleibt allerdings noch abzuwarten.

Trotzdem eine bemerkenswerte Aktion: M&A als Konjunkturpolitische Massnahme – das klingt doch interessant…

W. Regele